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Medientipps Rolf Lidinsky

Uwe Timm "Vogelweide"

 

SpeedFlorian Opitz' Werk gibt es jetzt auch als Film in unserer Bibliothek.
Für die (schon) entspannten Leser natürlich auch als Buch.
>>>Trailer<<<

 

 

Heinrich Steinfest

Heinrich SteinfestMariaschwarzGewitter über PlutoDer ganz besondere Tipp! So beginnen meistens Empfehlungen, die abseits der gewohnten Pfade verlaufen. Hier ist es das Genre des Kriminalromans, das anvisiert und vollständig getroffen, praktisch übertroffen wird. Der Rezensent Hilmar Klute (22.2.2007) schwärmte: "Heinrich Steinfest schreibt Kriminalromane, die routinierte Krimileser zum Wahnsinn treiben müssen, weil er mit den Regeln des Genres so turbulent jongliert, dass man am Ende der Lektüre das Gefühl hat, auf hohem literarischen Niveau geohrfeigt worden zu sein".
Mehr Informationen über den Autor erhalten Sie in den Munzinger Biographien >>>HIER<<<
Batmans SchönheitMeine persönlichen Favoriten sind: "Mariaschwarz" und "Gewitter über Pluto".
Weitere Pressestimmen: »Sag einer, was er will: Heinrich Steinfest ist einer der großen deutschsprachigen Schriftsteller.« Volker Albers, Hamburger Abendblatt - »Ein ganz und gar origineller, ein in seinem überbordenden Einfallsreichtum hinreißender Autor.« Denis Scheck - »Ich wiederhole mich: herrlich! Göttlich! Steinfest!« Tobias Gohlis, Die ZEIT

 

 

Anthony McCarten

Anthony McCartenSeine Romane, die in deutscher Übersetzung bei Diogenes veröffentlicht wurden, kamen bei Kritikern und beim Publikum gleichermaßen gut an. Als typisch daran konstatierten Rezensenten eine filmisch inspirierte Erzählweise.
Film SuperheroFolgende Werke finden Sie in unserer Bibliothek: Englischer Harem, Ganz normale Helden, Liebe am Ende der Welt, Superhero.
Weitere Informationen >>>Munzinger Biographien<<<

 


 

Ridley Optimist halbvolles WasserglasMatt Ridley bezeichnet sich als rationalen Optimisten. Sein Feindbild sind weniger Umweltschützer und Idealisten, sondern die Pessimisten allerorten, die in jeder neuen Entwicklung Negatives entdecken. Stattdessen verbreitet Ridley viel Hoffnung und die motiviert zum Weiterlesen, auch wenn man nicht alle Ideen des Autors teilt. Ungetrübt von Katastrophen, Umwelt-, Wirtschafts- und Bankenkrisen glaubt er an die Kraft der Märkte. Mit ihnen soll es der Menschheit gelingen, Umweltprobleme und Überbevölkerung zu überwinden. Matt Ridley verspricht sogar wachsenden Wohlstand für Afrika und eine bessere Umwelt für die Zukunft, trotz Klimawandel. Schön wär's. (Michael Lange Deutschlandfunk) Ganzer Artikel
Weitere Rezension (Die WELT)

 

Gabriele Kögl: "Vorstadthimmel". Von Eva Pfister

Buchcover VorstadthimmelDie 1960 in Graz geborene Autorin wurde schon in die Tradition von Elfriede Jelinek gestellt. Sie selbst nennt als Vorbild die österreichische Autorin Marlen Haushofer mit ihren psychologischen Familienromanen. Ein solcher ist ihr neuer Roman "Vorstadthimmel", der in Wien spielt, wo die Autorin heute lebt.

Auf den ersten Blick kann es einem vor diesem Heinrich wirklich grauen. Der Zahnarzt fährt einen Lamborghini, hat sich auf Wiens teuerstem Hügel ein Designerhaus gebaut, ausgestattet mit den erlesensten Möbeln. Zur Verzweiflung seiner Frau schleppt er immer neue Prestigeobjekte an, etwa die teuerste italienische Kaffeemaschine, und den Garten gestaltet er auch ständig neu. Ob er nicht einfach nur hier leben könne, fragt ihn seine Frau gereizt. Aber genau das fällt Heinrich schwer. Um die Gefühle seiner Frau kümmert er sich nicht groß, er hat zu viel mit Arbeit und Abenteuern zu tun. Heinrich ist ein großer Frauenheld, wobei er den Frauen nicht nur tief in die Augen, sondern auch in den Mund schaut, um ihnen danach eine teure Zahnbehandlung vorzuschlagen.

Die Kombination von Zahnmedizin und Sexualität bietet der Autorin Gabriele Kögl in ihrem neuen Roman "Vorstadthimmel" schöne Anlässe zu sprachlicher Ironie. Sie beschreibt die Arbeit des Zahnarztes mit durchaus anzüglichen Worten. So wie Heinrich Wert darauf legt, den Frauen einen Or... WEITER

 

Ken Bruen <<<(Rezension) Gehen Sie auf die Suche nach Stimmen zur Jack Taylor-Reihe des irischen Autors Ken Bruen. Gegensätzlicher kann es kaum sein. Mal 5 Amazonsterne (häufig), mal nur 2 (auch oft). Wie sollte es auch anders sein. Genialistisches kippt schon mal hinten über. Für die Übersetzung von Harry Rowohlt gilt dasselbe. Zwischen 100% treffend bis "arg Rowohlt" ist alles vorhanden. Das macht aber alles nichts. Es ist ein Lesespaß mit der besonderen Note. Vielleicht wirklich nur für Männer.
Cover Jack TaylorReich sind die Bände mit Literaturzitaten garniert, die nicht immer mit dem Fluß der Geschichte schwimmen und gerade deshalb (so meine ich) ganz neue Zusammenhänge entstehen lassen. Es wimmelt nur so von Gedankensprengseln. Wie bemerkt der Schreiber der obigen Rezension Guido Rohm [es sind] "Geschliffene Sätze, die wie Diamanten funkeln und schneiden. Man möchte sie am liebsten in den Händen drehen und anschließend in ein Schmuckkästchen legen. Nur nicht zurück ins Buch. Das kann ja jeder ungewaschene Flegel kaufen und entweihen." >>>>>>> Video Ken Bruen auf dem Krimifest Marburg >>>>>>

 

Böses KindHarri Opoku ist elf, gerade aus Ghana angekommen und lebt mit seiner Mutter und seiner älteren Schwester im 9. Stock eines Londoner Hochhauses. Als eines Tages ein Nachbarjunge auf offener Strasse erstochen wird und sich niemand darum kümmert, beschliesst Harri, zusammen mit seinem Freund Dean, detektivisch aktiv zu werden, denn die Polizei ("Die finden doch nicht einmal ihren eigenen Arsch im Dunkeln") wird den Täter eh nie finden. Soweit die Rahmenhandlung.
"Pigeon English" liest sich über weite Strecken wie eine Sozialsatire, doch man wird den Verdacht nicht los, dass das, was hier beschrieben ist, wohl ziemlich akkurat wiedergibt, wie heutzutage das Aufwachsen in den von Immigranten und Arbeitslosen bevölkerten englischen Vorstädten aussieht. Stephen Kelman"Von meinem Balkon kannst du nur den Parkplatz und die Mülltonnen sehen. Der Fluss ist nicht zu sehen, weil die Bäume im Weg sind. Du siehst Häuser und noch mal Häuser, Reihen und Reihen davon, wie ein Nest von Schlangen. In den kleineren Wohnungen leben ältere Leute und die Nicht-ganz-Richtigen. Nicht-ganz-Richtige nennt Jordans Mamma Leute, die sie nicht alle haben. Manche von ihnen werden so geboren, und manche von Cover Pigeon Englishihnen sind so, weil sie zu viel Bier getrunken haben. Manche sehen genau wie echte Menschen aus, nur dass sie nicht rechnen oder vernünftig reden könne."(Rezensionen.ch)
Interview mit dem Autor Stephen Kelman (Video)

 

Uslar, Moritz von: Deutschboden
Standort:Emp 83 Usla

Willkommen in jenem unbekannten Land, das Deutschland heißt.
Moritz von Uslar geht in eine Kleinstadt im Osten Deutschlands, er bleibt drei Monate und kehrt mit dieser großen Erzählung, einer Geschichte der Gegenwart, die gleichzeitig Reportage und Abenteuerroman ist, zurück.

Rezension einer Lesung zu Deutschboden:
Interview mit Moritz von Uslar (Video):

 

McEwan, Ian: "Solar"

Mit "Solar" hat Ian McEwan eine sehr unterhaltsame Satire über Intrigen und Betrügereien des Wissenschaftsbetriebes verfasst. Die Hauptfigur, das egomanische Ekelpaket eines Nobelpreisträgers der Physik, wächst einem beim Lesen eher wider Willen ans Herz.

Gäbe es eine Galerie unangenehmer Figuren der Literatur, hätte Michael Beard, der Held in Ian McEwans neuem Roman "Solar", alle Chancen, dort sofort aufgenommen zu werden. Obwohl er als Nobelpreisträger zu den Stützen der bürgerlichen Gesellschaft zählen sollte, machen ihn seine charakterlichen Defizite zu einem Ekelpaket, das rücksichtslos eigenes Wohlbefinden befördert.
Die Zeiten, da er in Stockholm als physikalisches Genie ausgezeichnet wurde, liegen fast zwei Jahrzehnte zurück. Da sich grandiose Gedankenblitze partout nicht mehr einstellen wollen, begnügt sich Beard damit, als Frühstücksdirektor gut subventionierter Institute zu fungieren, horrende Vortragshonorare einzustreichen und Bekanntschaften zu machen, die seinem ausgeprägten Sexualtrieb entgegenkommen.

Wie häufig in McEwans Romanen fällt das gesellschaftliche und psychische Gefüge, in dem sich die Figuren bewegen, durch eine katastrophale Wendung in sich zusammen.
Ian McEwan hat mit "Solar" einen sehr komischen, in einem fulminanten Finale endenden Roman geschrieben, der mit spitzer satirischer Feder Machtspiele, Intrigen und Betrügereien des Wissenschaftsbetriebs aufspießt. Obwohl McEwan ein mehr als ungünstiges Licht auf die aktuelle Energiepolitik wirft - der Roman endet im Jahr 2009 -, beruht die Stärke von "Solar" weniger auf diesem Impuls.
Das Buch, das trotz sprachlicher Eleganz nicht die Bedeutung von McEwans großen Romanen "Abbitte" oder "Saturday" hat, lebt vor allem von seiner männlichen Hauptfigur - die einem spätestens nach 200 Seiten wider Willen ans Herz wächst. So maßlos, wie die Welt mit ihren Ressourcen umgeht, so ungezügelt gibt Beard seinen Leidenschaften nach. Frauen betrügt er nach Strich und Faden; Alkohol trinkt er in Unmengen, und zum Frühstück bevorzugt er Steakplatten - eine Essgewohnheit, die seinem Körper fassähnliche Konturen gibt und sein Kinn zum "Truthahnlappen" werden lässt. Das alles ergibt eine hochunterhaltsame Mischung, und was Beard auf einer Expedition nach Spitzbergen widerfährt, wird künftig in jeder Anthologie "Komische Stellen in der Weltliteratur" Aufnahme finden. Diese Szene, in der Beard einem dringenden menschlichen Bedürfnis nachgeht und sein bestes Stück - ... ... lässt sich in einer Rezension freilich nicht nacherzählen. (Deutschlandradio Kultur - Besprochen von Rainer Moritz)

 

 

Asscher, Maarten: H²Olland

Wie die Niederländer das Meer besiegten

Ein vergnügliches und geistreiches Buch über das Element, das die Niederlande erst zu dem macht, was sie sind: das Wasser
Wie lebt es sich in einem Land, das nicht nur zu einem Fünftel aus Wasser besteht und im Durchschnitt 800 l Regen pro m² im Jahr zu erwarten hat, sondern auch am Meer und zu einem großen Teil unter dem Meeresspiegel liegt? Dass die Bewohner der Niederlande eine besondere Beziehung zum nassen Element entwickelt haben, kann da nicht verwundern. Höchst amüsant und geistreich erzählt Maarten Asscher von seinen Landsleuten, von ihrem Kampf gegen das Wasser und wie es seit Jahrhunderten ihr Leben prägt.(Buchhandel.de)

Für alle Liebhaber, unserer westlichen Nachbarn. Neben dem eigentlichen Thema wird natürlich auch das Verhältnis zu Deutschland nicht ausgespart. Schön, wenn dies von einem souverän vorurteilsarmen Verfasser geschieht. (Beispiel Kapitel 13, „Eine Insel als Entschädigung“)

In erster Linie erfahren wir aber viel über Flüsse, Kanäle, Deiche, Polder, Brücken, Schiffe, Windmühlen, Grachten, Häfen, Inseln und den Charakter der Bewohner der „niederen Lande“. (R.L)

Standort: Elm 3 Assch

 

Cave, Nick: "Der Tod des Bunny Munro"

Standort: SL Unterhaltung

"Ein wirklich wüster Schinken!"

Für Manuel Gogos ist das zweite Prosawerk des "wohl finstersten Balladenmachers der Post-Punk-Ära", Nick Cave, in mehrfacher Hinsicht autobiografisch grundiert. Mit seiner Hauptfigur Bunny Munro, einem triebhaften Vertreter für Schönheitsprodukte, teilt der Autor die obsessive Leidenschaft für Frauen, meint der Rezensent. Dem nur auf die sexuelle Verführung seiner Kundinnen gierende und im Verlauf des Romans sich immer mehr ins Monströse wandelnden Bunny ist aber ein Sohn zur Seite gestellt, der in seiner "arglosen, entwaffnenden Präsenz" beim Leser den Glauben daran nährt, der Vater könne doch nicht völlig verdorben sein, teilt der Rezensent mit. Diese Hoffnung allerdings findet im Unfalltod des Vaters ein Ende, ein Schicksalsschlag, den auch Caves eigener Vater ereilte, wie Gogos weiß. Er hat den Roman deshalb auch als eine "verzweifelte" Liebeserklärung eines Sohnes an den Vater gelesen, dessen einzige Erlösungschance in eben dieser Liebe liegt, wie der Rezensent dem Roman entnimmt. (Neue Züricher Zeitung)

 

Quintreau, Laurent:
„Und morgen bin ich dran. Das Meeting“

Standort: SL-Moderne Unterhaltung

Elf Uhr, es ist so weit, das Meeting kann beginnen. Am Tisch elf Manager eines internationalen Unternehmens. Rorty, der Vorstandsvorsitzende, präsentiert Zahlen, Budgets und Umstrukturierungspläne, doch die Gedanken seiner Topleute schweifen nur allzu gern ab.
In elf inneren Monologen werden intimste Einblicke gewährt: Während sich die Meyer mit Tranquilizern ruhig stellt, sieht sich de Vals schon auf dem Chefsessel, der lamentierende Tissier wird von seinen Hämorrhoiden, Choleriker Stoeffer gar von Mordgelüsten geplagt. So verschieden ihre Fantasien auch sind - in ihrer Hoffnung auf Karriere und in ihrer Panik vor der Entlassung sind sie sich alle gleich. (Amazon)

Die moderne Hölle braucht keine Feuer und Teufel mehr, keine Folterwerkzeuge und keine Scheiterhaufen. Für die moderne Hölle, das zeigte schon Jean-Paul Sartre auf der Bühne, reicht ein geschlossener Raum ohne Fluchtmöglichkeit, in dem sich Menschen schon aus Langeweile gegenseitig quälen. Die turbokapitalistisch aktualisierte Version dieses dunklen Szenarios liefert Laurent Quintreau mit seinem ersten Roman, der direkt in die finstere Seele der gegenwärtigen Finanzkrise blickt. Hier nämlich spielt sich das ganze Geschehen in einem Konferenzraum für Manager ab. Um elf Uhr morgens beginnt das schon im Titel angekündigte „Meeting“, wie Sitzungen von einer gewissen Gehaltsstufe an genannt werden. (faz.net)

Laurent Quintreau ist Artdirector und Texter im französischen Werbeunternehmen PUBLICIS und arbeitet daneben in der Führung der Gewerkschaft CFDT im Sektor New Economy. Ferner schreibt er Theaterstücke und publiziert regelmäßig in verschiedenen Zeitschriften. Er war Mitbegründer der einflussreichen Avantgardezeitschrift Perpendiculaire.

 

Widmer, Urs:
"Herr Adamson"

Standort: SL-Unterhaltung

Als Achtjähriger wäre der Erzähler dieses Buches beinahe an einer Hirnhautentzündung gestorben. In dieser Zeit begegnete er im "Paradies-Garten" seiner Jugend Herrn Adamson, einem verschrobenen alten Mann, den nur er sehen und hören kann.

Gemeinsam erleben sie absonderliche Abenteuer, die sie an die unterschiedlichsten Orte im Dies- und Jenseits führen. Ein Märchen für Erwachsene, eine Eloge auf das Leben, eine Improvisation über den Tod – voller phantastischer Begegnungen.

Diese Geschichte ist, wie sie Wunder voll und Phantasie reich nur Kinder erleben können, ohne sie für unmöglich oder schlicht einen Traum zu halten. Als der Erzähler zum ersten Mal Herrn Adamson begegnet, ist er ein achtjähriger Basler Bub. Er findet Herrn Adamson, der plötzlich erscheinen und genauso unerwartet wieder verschwinden kann, äußerst interessant. Er ist bereit, diese Treffen vor jedermann geheim zu halten. Schon das zweite Zusammensein mit dem alten Mann, den nur noch drei senkrecht aufstrebende Haare zieren, ist ungeheuer aufregend: der Junge liegt danach mit einer Hirnhautentzündung im Bett, übersteht diese Attacke seines Kopfes aber unbeschadet.

Zwar ist a uch hier das Ende das Ende, jedoch wird der Weg dahin mit soviel Heiterkeit, lächelndem Verständnis und Gelassenheit beschrieben, dass wir Leser, mit dem Verlauf des beschriebenen Schicksals einverstanden, das Buch getröstet aus der Hand legen.(DasErste.de/druckfrisch)

 

Seethaler, Robert:
"Die weiteren Aussichten"
Standort: SL-Unterhaltung

Inmitten der Provinzleere, am Rande einer kaum frequentierten Landstraße, führt Herbert Szevko gemeinsam mit seiner resoluten Mutter und unter Beobachtung des kleinen Zierfisches Georg eine alte Tankstelle. Eines Tages taucht im Hitzeflimmern der Straße eine lebenshungrige junge Frau auf. Sie heißt Hilde, spricht wenig, hat eine Stelle als Putzfrau im dörflichen Hallenbad und lächelt sich in Herberts Herz. Das Leben auf der Tankstelle und der dörfliche Alltag geraten aus den Fugen. Herbert bricht von zu Hause auf, stürzt sich als Nichtschwimmer vom Fünfmeterbrett und dann hinein in einen verrückten Wirbel aus Stolz, Verzweiflung und etwas ihm bisher völlig Unbekanntem: Liebe. (Amazon)

Robert Seethaler liebt verschrobene Charaktere wie Herbert: Der 27-jährige Held aus "Die weiteren Aussichten" lebt noch mit seiner Mutter zusammen. Als er die neue Dorfbewohnerin Hilde sieht, will Nichtschwimmer Herbert sie mit einem Sprung vom Fünfmeterbrett erobern. Nicht zum letzten Mal muss Hilde ihm das Leben retten. Im Laufe ihrer Liebesbeziehung kommt es zu einem unfreiwilligen Roadtrip durch Feld und Wiesen, gemeinsam mit Herberts Mutter und dem dicken Zierfisch Georg. Als Erzähler mischt sich Seethaler unter die Dorfbewohner und imitiert ihre Sprache, ohne dabei auf ihre Einfältigkeit herabzublicken. Und dank Seethalers wunderbar trockenen Witzes hofft man bis zur letzten Seite für Held Herbert, dass er sich endlich aus allen Schwierigkeiten befreien und mit Hilde ein neues Leben fernab der Provinz beginnen kann. (Kulturnews/sim)

 

Calla, Cecile:
Tour de Franz : mein Rendezvous mit den Deutschen
Standort: Emp 83 Call

Sie (32, Normannin aus Paris) kommt der Liebe wegen nach Berlin, arbeitet für eine Französische Zeitung und beobacht uns, die Deutschen und deren Alltag.
Was fällt ihr auf: die andere Esskultur ("Nein Cécile, es heißt ABENDBROT, nicht ARMENBROT), die mangelnden Flirtaktivitäten deutscher Männer (unerhört), die andererseits feineren Körperpflegebemühungen derselben im Vergleich zu ihren französischen Geschlechtgenossen, befremdliche sonntägliche Tatortrituale und so weiter.
Leicht, fein, nachdenklich und bei aller Kritik mit viel Sympathien für Deutschland geschrieben.

 

Rosendorfer, Herbert:
Der Mann mit den goldenen Ohren : ein Italienroman
Standort: SL-Unterhaltung

Wer es geistreich, satirisch und trotzdem unterhaltsam kurzweilig mag, kommt bei diesem Roman des gebürtigen Südtirolers auf seine Kosten.
Die Handlung ist eigentlich nebensächlich, wenn auch nicht uninteressant. Ein superreicher Mann entdeckt verliebt eine italienische Insel für sich, wird wieder entliebt und kehrt dem Eiland den Rücken, was wiederum einen Abfluss von Geldmitteln und Öffentlichkeit zur Folge hat. Aufstieg und Niedergang aus der Sicht deutscher Künstler und Aussteiger.
Wie schon erwähnt, eine schalkhafte und pointierte Analyse.