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Medientipps Edith Mendel

Edithorial 14

Liebe Leserinnen und Leser

Ein ereignisreiches Jahr neigt sich dem Ende zu und es gilt ein Fazit zu ziehen.

Nach fast 30 Jahren haben wir in den Sommerferien unsere Regalaufstellung verändert und neues Mobiliar angeschafft. Viele Arbeitstische sind dazugekommen und es gibt auch eine Reihe gemütlicher Sitzgruppen, die zum Verweilen einladen.

300 Regale wurden ab- und wieder aufgebaut und 75.000 Bücher bekamen einen neuen Standort. Da mussten sich nicht nur unsere Leser umgewöhnen, auch für uns war die Suche nach Medien am Anfang mühsam.

Mittlerweile ist auch die Installation der neuen Beleuchtung abgeschlossen, so dass es jetzt keine dunklen Ecken mehr in der Bibliothek gibt und auch das Lesen der Buchtitel in den unteren Regalreihen problemlos möglich ist.

Wir haben jetzt auch einen eigenen Jugendbereich. <DiEcke> bietet Jugendlichen ab 12 nicht nur Filme, Popmusik, Spiele und Bücher, sondern kann mit einer Gaming-Wall punkten, mit der regelmäßige Zockerrunden möglich sind.

Das DIY- Programm zum Up- und Recycling wird jetzt auch für Jugendliche mit anspruchsvolleren Themen angeboten. Sogar Nähmaschinen wurden inzwischen angeschafft und die ersten Workshops haben erfolgreich stattgefunden.

Auch digitale Angebote sind hinzugekommen. Mit dem <Brockhaus-Schülercenter> kann man jetzt digital Nachhilfe nehmen und am Ende des Jahres konnten wir noch <Tigerbooks> aufnehmen. Mit der dazugehörigen App können Bilderbücher digital und interaktiv genutzt werden, wobei die Inhalte wahlweise auch als Spiel, Puzzle oder Hörspiel zur Verfügung stehen.

Alles nur mit dem Leseausweis nutzbar.

Und wo wir gerade bei den kleinsten unserer Leser sind: es gibt die Dinslakener Bücherbabys. An jedem 1. und 3. Donnerstag im Monat lernen die Allerkleinsten schon Geschichten und die Beschäftigung mit Büchern kennen. Wir sind froh, dass es auch 2018 mit diesem Projekt weitergehen kann.

Was gibt es noch zu berichten?

Unser alljährlicher Kiloverkauf verzeichnete in diesem Jahr ein Rekordergebnis – fast 5000 Euro Einnahmen bedeutet den Verkauf von 5 Tonnen Büchern. An dieser Stelle geht ein Dank an den Freundeskreis Stadtbibliothek und Stadtarchiv e.V. der mit vielen ehrenamtlichen Helfern diesen Kraftakt gestemmt hat.

Der Erlös floß in die Anschaffung eines 3D Drucker, der bald zum Einsatz kommen soll. Aber zunächst müssen wir uns das nötige Wissen aneignen, um ihn bedienen zu können.

Und am 21. November feierte die Bücherstube Lohberg ihr 10-jähriges im Ledigenheim mit einem kleinen Fest, bei dem viele Erinnerungen an den Umzug vor 10 Jahren ausgetauscht wurden.

Wir haben viel auf den Weg gebracht und haben uns über positive Resonanz und konstruktive Kritik unserer Leserinnen und Leser gefreut. Bleiben Sie uns weiterhin gewogen, auch für 2018 liegen wieder viele Ideen und Pläne in der Schublade.

Ihre Edith Mendel

Edithorial 13

Liebe Leserinnen und Leser,

Nun möchte ich einmal Werbung in eigener Sache machen.

Kennen Sie eigentlich unsere vielen digitalen Angebote, die Sie auf unserer Homepage mit Ihrem Leseausweis nutzen können?

Die meisten von Ihnen verwenden den Online-Katalog, um nach Titeln zu recherchieren, ausgeliehene Titel vorzumerken oder das Benutzerkonto zu verlängern.

Auch die Onleihe wird stark genutzt, die Ausleihe der E-Books steigt ständig. Die Dinslakener genießen das Lesen auf mobilen Endgeräten.

Aber haben Sie auch unsere anderen digitalen Angebote mal entdeckt?

Heute möchte ich Ihnen den Link zu <Librairy PressDisplay> ans Herz legen. Diese digitale Möglichkeit bietet etwas wirklich Einmaliges: Wissen Sie, dass Sie bei uns tagesaktuell mehr als 3.000 Tageszeitungen und Magazine aus 100 Ländern in 50 Sprachen lesen können? Sie brauchen dazu nichts weiter als die Nummer Ihres gültigen Leseausweises und die Identifikation mit Ihrem Geburtsdatum (oder Ihrem frei gewählten Passwort) und schon kann es losgehen.

Es gibt viel zu entdecken.

Nicht nur über 200 Zeitungen und Magazine aus Deutschland sind verfügbar, es sind auch die Tagesblätter aus den USA, Großbritannien, Frankreich, Russland, Japan, Türkei, Polen, Ägypten, Indien, Australien usw. tagesaktuell zu lesen.

Ideal für Schüler, die tagesaktuelle Informationen aus bestimmten Ländern suchen, für Menschen, die zurzeit eine Fremdsprache lernen oder die die Tagespresse ihrer Herkunftsländer lesen möchten. Es sind auch arabische, afrikanische oder chinesische Zeitungen zu finden.

Das Archiv reicht bis 90 Tage zurück, neue Ausgaben werden automatisch freigeschaltet. Ich selbst nutze dieses Angebot sehr intensiv, so viele Tagesblätter finde ich in keinem Kiosk.

Stöbern Sie und entdecken Sie <Librairy PressDisplay>.

Wir möchten natürlich auch wissen, wie Ihnen das Angebot gefällt, denn wir müssen die Entscheidung über seine Zukunft treffen - Email genügt.

Und wir sehen uns trotzdem in der Bibliothek.

Ihre Edith Mendel

 

Edithorial 12

Liebe Leserinnen und Leser,

Den Trends folgen die Bücher zum Trend.

Das war immer so.

Einer der Trends zur Zeit ist es, Socken und Pullover wieder selbst zu stricken oder zu häkeln. Das Interesse am Thema Handarbeiten wurde in den letzten Jahren so groß, dass wir uns entschlossen, im Erdgeschoss der Bibliothek den Bereich <Stoff und Garn> einzurichten und auch dort Handarbeitsbücher anzubieten. Das neue Angebot wurde von unseren Leserinnen sofort begeistert angenommen. Innerhalb eines Jahres verdoppelten sich die Ausleihzahlen. Vor allem anspruchsvolle und ausgefallene Titel werden gerne mitgenommen.

Wir kaufen also, was der Buchmarkt hergibt. Ich glaube, es gibt zur Zeit kaum ein Handarbeitsbuch, welches wir nicht anbieten können.

Tendenz steigend.

Die große Zahl an Neuerscheinungen lässt vermuten, dass die Strickwarenindustrie in naher Zukunft Verluste machen wird, weil alle ihre Pullover selbst stricken, Socken und Mützen häkeln, Kleider und Röcke nähen, Taschen filzen oder umgekehrt. Selbst Christbaumschmuck und Ostereier können gehäkelt und gestrickt werden.

Die meisten Bücher sind optisch aufwändig gestaltet, bieten gute Erklärungen und haben mit den behäbig gestalteten Handarbeitsbüchern der Vergangenheit nicht mehr das geringste zu tun. Denn sie kommen absolut modisch und damit brauchbar daher, so dass auch Jugendliche sich an die einfachen Modelle heranwagen können.

Aus dem guten dicken Handarbeitsbuch der Vergangenheit, wo alle Techniken ausführlich beschrieben werden, ist längst eine Reihe von kleinen Einzeltiteln geworden, die keine Wünsche offen lassen. Socken für Männer, Frauen und Babys werden auf vier Nadeln oder auf zwei Rundstricknadeln gestrickt. Sie werden von oben nach unten oder umgekehrt gefertigt - mit Mustern, in verkürzten Reihen, mit doppelter Ferse oder zwei Socken gleichzeitig. Das gleiche gilt für Mützen, Schals, Stulpen, Handschuhe, Sitzkissen, Taschen, Teppiche und Teewärmer.

Selbst Anleitungen für Hundestrickmäntel  kann man finden, so dass Struppi und Hasso winterlich modisch gekleidet, Frauchen beim Wolle kaufen begleiten können.

Manchmal werden auch DVDs beigelegt, um Anfänger zu begeistern.

Hin und wieder werden auch alte Techniken neu entdeckt und so findet man erstmals nach langer Zeit wieder Bücher über Tunesisches Häkeln oder Lacestricken.

Ich finde diese Vielfalt an Titeln und Themen hervorragend, schließlich bin auch ich eine leidenschaftliche Strickerin, die immer mehrere Projekte in Arbeit hat und damit ihre ganze Familie versorgt.

Aber trotzdem hat mich eines stutzig gemacht.

Und das ist die große Zahl an Neuerscheinungen von Büchern mit Anleitungen zur Topflappenherstellung. Sie können Topflappen in rund, oval oder quadratisch herstellen – mit Tierköpfen, mit Gemüse oder Obstmotiven -  farblich passend zum Geschirr oder Küche.

Geht man danach, könnten sämtliche Kochtöpfe in deutschen Haushalten ohne isolierte Griffe auskommen, vorausgesetzt, man hat fleißig vorgearbeitet und paarweise kleine Quadrate gehäkelt.

Stellt man dann fest, dass man diese Fülle doch nicht braucht, können  die Quadrate zu Decken zusammengesetzt werden und schon gibt es die neue Technik des Square - Häkelns.

Selbst Männer schreiben heute Topflappenhäkelbücher und sind begeistert von der Technik des Doppleface.

Sie können das nicht glauben?

Kommen Sie in die Bibliothek.

Ihre Edith Mendel

Edithorial 11

Liebe Leserinnen und Leser,

Ich bin groß geworden mit dem Schulkochbuch von Dr. Oetker. Schon meine Großmutter und dann meine Mutter haben danach gekocht. Ein altes Exemplar gibt es noch bei uns, es ist voller Flecken und doppelt so dick wie zu Anfang, weil noch unzählige handgeschriebene Blätter hinzugelegt wurden. An den Rändern finden sich handgeschriebene Kommentare und Korrekturen, z.T. noch in Sütterlin und für mich schwer zu entziffern, aber von unschätzbarem Wert, weil ich Rezepte meiner Kindheit sehr genau nachkochen kann. .

Da aus der kleinen Haushaltsfibel von 1911 das meistgedruckte Kochbuch aller Zeiten geworden ist, findet sich sicher in vielen Haushalten noch ein altes Exemplar. Auch ich bekam ich es während meiner Schulzeit und habe es heute noch.

Während es in vielen Familien über Jahrzehnte das einzige Kochbuch war und sicherlich die Ernährungsgewohnheiten der Deutschen mitgeprägt hat, steht es heute in Konkurrenz.

Und damit bin ich beim Thema - Kochbücher.

Sie gibt es heute wie Sand am Meer und es kommen täglich neue hinzu. Kein Gemüse bleibt ohne Rezept. Kein Rezept ohne Bild. Es sind die neuen Bilderbücher für Erwachsene geworden. Attraktiv gestaltet wie Reisebildbände. Manche Zutatenlisten lesen sich wie eine Aufzählung selten gewordener Tierarten und von einigen Gewürzen habe ich noch nie etwas gehört, geschweige denn, ich wüsste, wo man sie kaufen kann. Hinzu kommen empfohlene Kochgeschirre, die Konto und Aufbewahrungskapazitäten sprengen und der notwendige Zeitaufwand für manche Gerichte macht einen zusätzlichen Beruf überflüssig.

Und alle schreiben ein Kochbuch: Fernsehköche, normale Köche, Ernährungsberater, Fitnesstrainer, Schauspieler, Landfrauen, Cafehaus- und Restaurantbesitzer.

Wer immer noch nicht genug hat, greift auf die Sammlungen im Internet zurück oder bestellt gleich einen Newsletter.

Man bekommt  eine Menge Zusatzinformationen gleich mitgeliefert, wie Zubereitungszeiten und Kalorienangaben -  die Rezepte sind für Kinder, für Senioren, für Anfänger, für eilige Berufstätige geeignet oder für Veganer und Vegetarier. In Abständen werden Schnellkochtöpfe und Römertöpfe neu entdeckt und gegrillt wird alles, außer Rhabarber.

Wer wie ich, neue Kochbücher für den Bestand auswählen muss, hat es also nicht leicht. Auf der anderen Seite kann man sie eigentlich beliebig kaufen. Ausgeliehen werden alle und das sofort. Die Ausleihzahlen der Kochbücher sind seit Jahren in einem stabilen Hoch. Sie werden auch tatsächlich benutzt, das belegen die Fettflecken, mit denen das eine oder andere Buch zurück gebracht wird.

Natürlich ist man geneigt, sie bei der Einarbeitung durchblättern und sich von ungewöhnlichen Vorschlägen  inspirieren zu lassen, aber manchmal stutzt man auch, weil man das eine oder andere Rezept  schon so ähnlich kennt, nämlich aus dem alten Schulkochbuch von Dr. Oetker – nur ohne Bild.

Wir sehen uns in der Stadtbibliothek

Ihre Edith Mendel

Edithorial 10

Liebe Leserinnen und Leser,

heute gibt es einen Buchtipp.

Die Bibliothek als Schauplatz eines Romans kommt nicht häufig vor, im Krimi liegen schon mal Leichen unter den Regalen, die spät entdeckt werden, weil sie <Lyrik für Knaben> anbieten und von daher selten einen Besucher anziehen.

Das folgende Buch war kein Bestseller, ist keine große Literatur, keine unvergessliche Prosa und nicht weiter im Gespräch. Aber es ist ein sehr persönliches Buch für Katzenliebhaber ( ich bin auch eine - um es mit Loriot zu halten: ein Leben ohne Katzen ist möglich, aber sinnlos.)

Es ist die Geschichte vom berühmtesten Kater der Welt. „Dewey und ich“ ist eine wahre Geschichte. Die Autorin Vicki Myron ist Bibliothekarin in Spencer, Iowa. Sie findet eines Morgens in der Klappe für zurückgegebene Bücher ein halb erfrorenes und hungerndes Katzenbaby. Sie und ihre Kolleginnen geben der Katze Futter, Wärme und Zuwendung und - einen Namen: Dewey (für nicht Eingeweihte: Die Dewey- Dezimalklassifikation ist das Aufstellungssystem für Bücher in amerikanischen  Bibliotheken) darf nach langen Diskussionen mit der Verwaltung und mit den Lesern in der Bibliothek bleiben und wird fortan zum Tröster für Bibliotheksmitarbeiter und  Kunden gleichermaßen. Alle fühlen sich für sein Wohl verantwortlich und richten sogar die Urlaubspläne nach ihm aus. Das Buch ist voll von kleinen und großen Erlebnissen mit der Katze, die sich im Lauf der Jahre zu einem imposanten Kater mit entsprechenden Eigenarten entwickelt

19 Jahre lebt und schläft er auf und zwischen den Büchern in der Bibliothek, die er nie verlässt und er stirbt auch dort.

Es ist eine einfach erzählte Geschichte, die zu Herzen geht und die sich auch zum Vorlesen eignet. Ich habe sie gern gelesen und mich daran erinnert, dass es in der Bücherstube vor dem Umzug ins Ledigenheim auch so einen Kater gab. Der hatte allerdings ein Zuhause und kam nur während der Öffnungszeiten, um sich Leckerchen abzuholen. Er ließ sich von den kleinen Lesern mit einem Buch zusammen auf den Schoß ziehen und streicheln. Die Ruhe, die er verströmte, übertrug sich auf die Kinder und so war er eine stumme Unterstützung bei den Vorlesestunden. Er ist nicht ins Ledigenheim mitgekommen, was alle sehr bedauert haben. Aber das Haus lag offensichtlich nicht mehr in seinem Revier.

Es gibt übrigens noch mehr wundervolle Katzenbücher.

Wir sehen uns in der Bibliothek

Ihre Edith Mendel

Edithorial 9

Liebe Leserinnen und Leser,

Kennen Sie das auch? Das Gefühl nach vielen Berufsjahren mal etwas ganz anderes zu wagen oder zumindest mal eine Zeitlang ausbrechen -  aus dem Alltag, beruflichen Zwängen und permanenter Überforderung. Sich Zeit nehmen zu können für langgehegte Reisewünsche  oder neue Hobbys scheint für viele langjährig Berufstätige ein großer Traum zu sein. ( Ich gebe zu, dass das auch manchmal bei mir der Fall ist. Man kann schließlich nicht alles erst nach dem Ruhestand in Angriff nehmen. ) Es wird in der Regel um die Welt gesegelt oder eine einsame Insel in der Karibik besucht – allein oder mit Partner, seltener mit der ganzen Familie, obwohl auf diesen Reisen schon Kinder geboren wurden.

Die Auszeit kann vom Arbeitgeber für ein Jahr genehmigt werden. Das nennt man dann ein Sabbatical machen. Bei vielen bleibt es ein Traum, weil es finanziell nicht möglich ist. Nicht alle haben schließlich ein Haus, was sie zu diesem Zweck verkaufen könnten.

Wenige schaffen also diesen Absprung auf Zeit, aber alle, die es tun schreiben ein Buch darüber. Hochglanz und mit vielen Fotos, historischem Hintergrund, Reiseinformationen, Kartenbeilagen, persönlichen Empfehlungen, Checklisten zum Abhaken und vieles mehr. Auch wer ein ganzes Buch nicht zustande kriegt, bekommt aber die Aufmerksamkeit der Medien, vor allem der Frauenzeitschriften. Bewunderung für die Selbstfindung inklusive.

Offensichtlich erhofft man sich eine nachträgliche Finanzierung des Abenteuers oder es wächst mit der freien Zeit auch das Bedürfnis, andere daran teilhaben zu lassen. Nach dem Motto: Auch du kannst es schaffen.

Warum auch immer.

Obwohl sich die Themen und Erkenntnisse in den Büchern ähneln, werden sie gerne ausgeliehen. Warum weiß ich nicht. Alle Aussteiger auf Zeit starten mit Euphorie, müssen mit einer gewissen Ernüchterung im neuen Alltag zurecht kommen, finden sich ab und ziehen ein positives Fazit. Das geht auch gar nicht anders, sonst würde das Buch keiner lesen wollen.

Nun rechnet jemand schon von vorne herein mit wenig öffentlichem Interesse, wenn er nur in die Lüneburger Heide oder ins Sauerland startet - Landschaften, denen die exotische Komponente fehlt. Bücher hierüber gibt es nicht. Obwohl – bis dorthin würde man es vielleicht schaffen. Warum also fasziniert den Leser das Unerreichbare, kaum realisierbare?.

Es ist wie mit dem Traumschiff.

Wir sehen uns in der Bibliothek

Ihre Edith Mendel

Edithorial  8

Liebe Leserinnen und Leser,

Jetzt naht sie wieder: die umfangreichste und arbeitsaufwändigste Aktion des ganzen Jahres in der Stadtbibliothek: Der Kiloverkauf des Freundeskreises Stadtbibliothek und Stadtarchiv e.V.

1 Kilo Buch = 1 Euro.

Noch nie davon gehört?

Nun schon zum 5. Mal in Folge wird das Erdgeschoss der Stadtbibliothek zum Büchertrödelmarkt. Gelöschte Bücher aus dem eigenen Bestand, gespendete Literatur der Dinslakener, darunter auch ganze Nachlässe stehen eng nebeneinander in den Regalen und warten auf Käufer. Hinter großen Tischen warten die Mitglieder des Freundeskreises mit einer Waage und  davor die Kunden, die ihre Funde abwiegen lassen und den Einkauf nach Gewicht bezahlen.

Kurz vor den Sommerferien nutzen viele die Gelegenheit preiswerte Ferienlektüre zu erstehen, der es auch nichts ausmacht, im Meer zu versinken.

Wenn sich am Freitag, den 29. Juni um 10.00 Uhr morgens die Türen der Bibliothek öffnen werden, warten sie wieder: die Bücherfreunde mit Wäschekörben und großen Kartons. Und sie kommen nicht nur einmal, die Kenner unter ihnen wissen längst, dass wir Bücher in Hülle und Fülle zum Nachlegen haben und dass sich das Wiederkommen lohnt. Auf diese Weise haben manche schon 40,50 und 100 Kilo Bücher erstanden. Wir fragen uns oft, wo solche Massen zuhause verstaut werden können.

Wenn sich am Abend die Türen schließen, sind alle Helfer erschöpft aber glücklich, dass wieder alles so gut geklappt hat, die Kasse gut gefüllt ist und die Kunden zufrieden mit ihrer Beute nach Hause gegangen sind. Am Samstag danach geht es dann weiter.

In der Regel werden an den beiden Tagen über 2 Tonnen Bücher verkauft. Und es bleiben noch viele übrig, die dann entsorgt werden müssen. Der Erlös kommt zu 100 Prozent der Stadtbibliothek zugute. Wir können damit Angebote finanzieren, für die unser Etat nicht reicht. Im letzten Jahr haben wir z.B. im Erdgeschoss den Bereich <Verbaucherinfo>  eingerichtet und mit dem Geld des Kiloverkaufs alle aktuellen Veröffentlichungen der Verbraucherberatung, bzw. der Stiftung Warentest eingekauft, auch die die nicht im Buchhandel erschienen sind.

Aber was im Vorfeld von den Mitgliedern des Freundeskreises und meinen Kolleginnen und Kollegen geleistet werden muss, ist enorm.

Drei Wochen vorher geht es los. Die Bücherspenden  werden entgegen genommen und in Umzugskartons nach Themen und Genre sortiert, gepackt und im Erdgeschoss gelagert.

Unsere gelöschten Bücher werden ebenfalls sortiert und auf Tauglichkeit für den Kiloverkauf geprüft. Schließlich wollen wir kein Altpapier mit Stockflecken anbieten, sondern ältere, aber attraktive Titel.

Und jedes Jahr das gleiche Problem: „Weiss jemand, wo die Umzugskisten gelagert worden sind?“ -  Achselzucken, suchen, neu kaufen und alte finden.

Am Nachmittag vorher werden alle Bücher aus dem Erdgeschoss auf Buchwagen gepackt, damit die Regale leer werden. Sie werden an den beiden Tagen im 1.OG angeboten.

Jetzt muss man wissen, dass Buchwagen das wichtigste Transportmittel in einer Bibliothek sind: zum Einstellen, für neue Bücher, zur Rechnungskontrolle, zum Signieren, Umarbeiten, Sortieren usw. -  und dass es grundsätzlich zu wenige davon gibt, egal wie viele man hat. Fast jeder hat einen im Gebrauch. Damit sie für die Bücher aus dem Erdgeschoss zur Verfügung stehen, müssen sie eingesammelt werden.

Also meine Rundmail an alle: „Bitte Buchwagen frei machen.“ Wer nicht reagiert, findet seine Bücher sonst wo wieder. Gnadenlos wird geräumt.

Wenn dann am Nachmittag vor dem Kiloverkauf die freiwilligen Helfer anrücken, sind schon Hunderte von Büchern bewegt worden. Aber jetzt geht es erst richtig los. Man will die Sachbücher getrennt von Romanen und Kinderbüchern aufstellen. Jedoch dazu müssen Kartons ausgepackt, Bücher gesichtet und sortiert werden und vorher muss man sich noch einigen, wo was hinkommt. Und zwischendurch liest sich schon mal jemand fest.

Während die Regale langsam voll werden, scheinen  die Kartonberge aber nicht zu schrumpfen. Jedes Jahr sagt dann auch Jemand: „ So viele Bücher hatten wir noch nie!“ Zwischenzeitlich werden Waage und Wechselgeld organisiert und der Hausmeister rückt jetzt auch noch die Gitterwagen mit den gelöschten Büchern der Stadtbibliothek in die engen Gänge. So geht das nicht: „Wer soll denn noch hier durchkommen?“

Dann muss noch die Einteilung der Helfer für die nächsten Tage abgestimmt werden, auch an Plastiktüten und Getränke wird gedacht.

Wenn am Samstag um 13.00 Uhr der Kiloverkauf zuende ist, sieht das Erdgeschoss wie ein Schlachtfeld aus. Alle sind erschöpft, nur der Kassierer des Freundeskreises strahlt, weil er die Abrechnung gemacht hat und wieder eine gute Bilanz ziehen kann.

Und die Stadtbibliothek kann wieder ein zusätzliches Angebot finanzieren.

Übrigens: Helfer werden immer gebraucht und Mitglieder auch. Der Mitgliedsbeitrag im Freundeskreis Stadtbibliothek und Stadtarchiv e.V. beträgt nur 15 Euro im Jahr.

Wir sehen uns in der Stadtbibliothek

Ihre Edith Mendel

Edithorial 7

Die meistgelesenen Sachbücher sind bei uns die Reiseführer. Sie gibt es für jedes Land, jede Region, jede Insel und fast jede Stadt. Es gibt Reihen für Pauschal- und Rucksacktouristen, Rad- und Zu-Fuß-Wanderer, Kultur- und Shopping-Interessierte, Spezialführer für Camper und Kreuzfahrer, Wohnmobil- und Kanufahrer, Pilger und Kegelclubs, zur Vorbereitung und zum „Nachlesen“. Man kriegt sie mit und ohne Kinderprogramm, mit und ohne Karten und sie setzen Trends.

Gott sei Dank gehören auch immer mehr Führer dazu, die Hinweise geben, wie man sich im Ausland benimmt und wie man Fettnäpfchen vermeiden kann.

Wir wissen meistens schon nach den Weihnachtsferien, wo die Dinslakener im Sommer am Strand liegen werden. Und Dank unserer Statistik wissen wir auch, dass jüngere Leser mehr über europäische Reiseziele ausleihen und ältere entweder Fernreisen machen oder in Deutschland bleiben.

Dank der DVDs und Internetportale kann man die Reisevorbereitung sehr gründlich gestalten. Natürlich muss ein Reiseführer aktuell sein, obwohl sich mit Goethe im Gepäck, Italien auch heute noch bereisen lässt. Aber wenn die Mauer noch erwähnt und mit DM bezahlt wird, hat der Reiseführer eigentlich nichts mehr in den Regalen verloren.

Aber jetzt wird es schwierig.

Grundsätzlich runzeln viele schon die Stirn, wenn der Reiseführer zwei Jahre alt ist, obwohl ich stets beteuere, dass der Eiffelturm noch immer in Paris steht, Mallorca eine Baleareninsel ist und in Venedig die Gondeln fahren. Öffnungszeiten von Museen, Eintrittspreise, Telefonnummern u.ä. können sich auch kurz nach dem Druck des neuesten Führers ändern. Und dann nützt es gar nichts, dass 2012 im Impressum steht.

Liebe Reisende, bitte machen Sie einen Unterschied zwischen aktuellen Informationen, wie sie viele Verlage in Taschenbuchform jedes Jahr aktualisiert herausbringen oder wie sie seitenweise im Internet zu finden sind und Kunstreiseführern und Führern zu historischen Stätten. Diese haben auch nach Jahren nichts von ihrer Aktualität verloren, weil sie grundsätzliche Informationen enthalten, die auch in den neuesten Führern nicht anders zu lesen sind. Deshalb werden sie wesentlich seltener aktualisiert und entsprechend auch eingekauft.

Und wie gesagt, ein Freund von uns hat mit Goethes <Italienische Reise> Urlaub gemacht und ist bestens zurecht gekommen. Gute Reise

Wir sehen uns in der Bibliothek

Ihre Edith Mendel